The Passion Of The Common Sense

musik & film, presse, politik Add comments

Es ist wieder so weit. Es ist Ostern. Das ist sozusagen einer dieser “Trigger” für mediensüchtige Theisten, die ihre moralischen Hoheitsanspruch festigen müssen. Das tut man natürlich am besten in den Massenmedien. Und deswegen liest man seit gestern / heute bei SpOn:

Kurze Zusammenfassung:
Verschiedene Geistliche, darunter Erzbischof Reinhard Marx und Bischof Gebhard Fürst, sowie Günther Oettinger kritisieren das Osterprogramm privater TV-Sender. Ihrer Ansicht nach verletze die Ausstrahlung von diversen Filmen den “angemessenen Umgang mit der Osterbotschaft”. Die Privatsender kämen der Verantwortung nicht nach, Rücksicht auf die religiösen Gefühle, der Mehrzahl der Bundesbürger zu nehmen, so Oettinger. Gemeint sind Filme wie “Stirb Langsam” (FSK 16), “King Kong” (FSK 12) und “In Hell” (FSK 16).

Was ich nun allerdings befremdlich finde, ist, warum sich niemand aus diesem Personenkreis an “Die Passion Christi” (FSK 16) zu stören scheint. Ein Film, der nach Wikipedia “alle Aspekte der Folterung, wie sie sich aus den Erzählungen der Bibel ergeben können, mit Mitteln des technisch hochgerüsteten Actionfilms dramatisch interpretiert”. Ein Film, in dem viele Kritiker “unnötige Elemente von Splatter- oder Horrorfilmen” sehen. Ein Film, der von vielen jüdischen und selbst christlichen Kritikern als antisemitisch eingestuft wird, “weil er sich nicht bemühe, den im Neuen Testament selbst angelegten Vorwurf einer jüdischen Kollektivschuld am Tod Jesu zu widerlegen oder abzuschwächen”.

Ein Film kann also antisemitisch und brutal sein, die eingesetzte Brutalität als legitimes Stilmittel einsetzen um Authentizität zu heucheln, wenn es nur darum geht, die Geschichte christlichen Glaubens so darzustellen, wie es der Sichtweise fundamentalistischer Christen entspricht oder wenn er wenigstens thematisch zu Ostern passt. Wenn aber ein Film Gewalt lediglich in profanen Spannungsbögen einsetzt, nicht antisemitisch ist und “nur” der Unterhaltung dient, dann verletzt er religiöse Gefühle und ist somit moralisch zweifelhaft, sofern er nicht als Dokumentation biblischer Ereignisse getarnt ist.

Sehr interessant. Frohe Ostern.

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